Bei der Fusion, die 1964 zur Agfa-Gevaert NV führte, ging es weniger um einen Neuanfang als vielmehr um die Konsolidierung eines Jahrhunderts chemischer und fotografischer Geschichte. Es vereinte Agfa AG aus Leverkusen, Westdeutschland, und Gevaert Photo-Producten NV aus Mortsel, Belgien. Das Ergebnis war eine dual strukturierte Einheit. Ein Bein wurde in Deutschland operiert, das andere in Belgien. 1971 firmierte die belgische Seite in Agfa-Gevaert NV um, der Name blieb erhalten.
Dies war nicht nur eine Unternehmensumstrukturierung. Es war ein Wendepunkt für ein Unternehmen, das jahrzehntelang die analoge Welt dominiert hatte. Jahrelang bedeutete die Marke eines: Fotografie. Entwicklungstanks, Filmrollen, Dunkelkammerchemikalien. Aber die Landschaft veränderte sich. Im Jahr 2004 verkaufte Agfa sein Consumer-Film- und Fotofinishing-Geschäft. Sie haben sich von genau dem Produkt verabschiedet, das ihren Ruf begründet hat.
Wo ist also das Geld geblieben? In die medizinische Bildgebungstechnologie. Das ist nun der Kern ihrer Existenz. Neben dem Gesundheitswesen halten sie an industriellen Nischenmärkten fest: Mikrofilm, Spielfilm, Dokumentenmanagement und kommerzielle Druckvorstufendienste. Wenn Sie Grafiken für eine Werbetafel oder ein Zeitschriftenetikett benötigen, ist die Infrastruktur von Agfa wahrscheinlich dafür geeignet.
Die chemischen Wurzeln und Kriegsverflechtungen
Um das moderne Unternehmen zu verstehen, muss man sich den Namen selbst ansehen. Agfa ist eine Abkürzung für Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation. Die Übersetzung lautet in etwa „Corporation for Aniline Manufacture“. Das 1867 in der Nähe des Rummelsburger Sees außerhalb Berlins gegründete Unternehmen begann als Färberei. Synthetische Farbstoffe waren die neue Grenze. Agfa ist darauf gesprungen.
Sie hörten nicht bei der Stofffarbe auf. 1908 wandten sie ihr chemisches Fachwissen auf die Fotografie an. Dies war ein strategischer Schachzug. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts explodierte die Nachfrage nach Bildaufnahmen.
Doch der Weg des Unternehmens war mit dem dunkelsten Industriezeitalter Deutschlands verbunden. Von 1925 bis 1945 war Agfa Teil der IG Farben. Dieses riesige Chemiekartell dominierte die europäische Industrie bis zum Ende des Krieges. Als die IG Farben aufgelöst wurde, entstand Agfa als eigenständige Einheit. 1951 wurde es eine teilweise im Besitz befindliche Tochtergesellschaft der Bayer AG, einem weiteren Nachfolger des IG-Farben-Konglomerats.
Das belgische Gegenstück
Die andere Hälfte der Fusion von 1964 hatte ihren eigenen Zeitplan. Gevaert begann 1890 in Antwerpen. Lieven Gevaert, geboren 1868, begann mit der Herstellung von Fotopapier. Es war ein Spezialhandwerk. Er baute ein Unternehmen auf, das 1920 schließlich zur Gevaert Photo-Producten NV wurde.
Im Gegensatz zu seinem deutschen Partner, der tief in der Industriechemie und der Kriegsproduktion verwurzelt war, konzentrierte sich Gevaerts Entstehungsgeschichte mehr auf das direkte Ergebnis der Fotografie: Papier. Der Zusammenschluss vereinte deutsches Chemiemaßstab mit belgischer fotografischer Präzision.
Globale Präsenz und Eigentümerwechsel
Heute sind die Aktivitäten der Gruppe verstreut. Zwei Hauptfabriken bilden den Anker für die europäische Basis: eine in Leverkusen bei Köln und die andere in Mortsel bei Antwerpen. Diese Einrichtungen


















